Reiseblog Uganda

Veröffentlicht von Blaues Herz e.V. am

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Uganda 2026 – Ein Anfang (Anthony · Flavian · Vitus)

Ende Januar 2026 startete für uns offiziell unser erstes eigenständig vor Ort umgesetztes Projekt auf dem afrikanischen Kontinent.
Begonnen hatte es Monate zuvor – in Videocalls, Excel-Tabellen, Diskussionen über Zollformalitäten und unzähligen Abstimmungen über Zeitzonen hinweg. 

Doch all diese Vorbereitung kulminierte in diesem Moment: dem ersten Schritt auf ugandischem Boden.

Unser Ziel: die Installation eines PAUL-Wasserfilters.

Ein System, das mithilfe hauchdünner Membranfasern und reiner Schwerkraft mehrere tausend Liter Wasser pro Tag filtern kann – ein System, das ohne Strom und ohne Chemikalien auskommt und dennoch Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger nahezu vollständig aus kontaminiertem Wasser entfernt (durchschnittlich bis zu 99,99999 %).

Die dafür eingegangenen Spendengelder flossen vollständig in die Anschaffung des Filters sowie in die notwendige bauliche Konstruktion vor Ort. Reisekosten, Unterbringung und sämtliche organisatorischen Aufwendungen haben wir privat getragen. Transparenz war uns von Beginn anwichtig.

Verunreinigtes Wasser führt hier in Uganda regelmäßig zu Magen-Darm-Erkrankungen, Cholera oder Typhus. Brother Herman, der Schulleiter der St. Balikuddembe Primary School in Buwama, erklärte uns, dass viele Kinder deshalb unregelmäßig zur Schule kommen – nicht aus mangelnder Motivation, sondern weil sie krank sind, insbesondere auch bedingt durch die insgesamt zu schwache gesundheitliche und sanitäre Infrastruktur.

Doch Technologie allein verändert nicht viel. Entscheidend ist, wo sie eingesetzt wird – und wie. Wie wird sie angeschlossen? Wer übernimmt Verantwortung? Wer kontrolliert Wartung und Durchfluss? Wie wird langfristige Nutzung sichergestellt? Genau diese Fragen haben wir in vielen Gesprächen vor der Reise – und insbesondere im Verlauf dieser – gelernt zu stellen und gemeinsam zu erörtern. Ein Filter ist nur dann nachhaltig, wenn er Teil eines funktionierenden Systems wird.

Dass unser erstes Projekt in Uganda stattfand, war kein Zufall – sondern das Ergebnis gewachsener Beziehungen. Durch den Austausch mit Dr. Kreikebaum, Dozent an der EBS Universität – dem wir an dieser Stelle herzlich für seine Unterstützung danken möchten – sowie durch seine bestehenden Kontakte vor Ort entstand schließlich die Verbindung zur St. Balikuddembe Primary School in Buwama.

Bevor Vitus und ich die Schule erstmals besuchten, führte uns unser Weg zunächst an die Makerere University in Kampala.

Geplant war ein kurzes Kennenlernen. Stattdessen saßen wir wenige Minuten später im Konferenzraum – gegenüber dem Dean, dem Präsidenten und weiteren Stakeholdern der Universität.

Es war ein längerer Austausch mit vielen guten Worten. Gleichzeitig fiel mir die Vorstellung noch schwer, wie sich diese Schritt für Schritt in konkrete Taten umsetzen lassen würden – sodass wir unsere Ziele gemeinsam und nachhaltig erreichen können. Doch die typisch afrikanisch-gelassene Zuversicht steckte auch uns an.

Etwa zweieinhalb Stunden südwestlich von Kampala liegt Buwama. Rote Erde, kleine Marktstände, Motorräder, Kinder am Straßenrand.

Dort begrüßte uns Brother Herman, der Schulleiter. 917 Schülerinnen und Schüler besuchen die staatliche Grundschule. Offiziell begann das neue Schuljahr am 2. Februar. Allerdings wurde der Start des neuen Schuljahres aufgrund der Präsidentschaftswahlen auf den 10. verschoben – was bedeutete, dass wir die Schule vor dem regulären Beginn wieder verlassen mussten.Wir haben die große Menge an Kindern also nicht mehr erleben dürfen. Und doch waren einige da.Darunter Kinder, die keine Eltern mehr haben. Oder Kinder, deren Eltern sich tagsüber nicht um sie kümmern können. Für sie ist die Schule nicht nur Lernort, sondern Lebensraum. Spätestens in diesen Momenten versteht man, dass Wasser mehr ist als Hygiene.
Es ist Stabilität.

Was uns grundsätzlich von Anfang an beeindruckte, war die Selbstverständlichkeit der Offenheit. Innerhalb weniger Stunden fühlten sich viele Begegnungen nicht wie ein erstes Kennenlernen an, sondern wie ein Wiedersehen. 

Gemeinsam mit Brother Herman, Vincent – inzwischen enger Partner unseres Vereins und Freund -, Kole, Medizinstudent, und Derrick, Business-Student an der Makerere University, sowie unserem Fahrer Isaac standen wir stundenlang auf dem Schulgelände.

Wir zeichneten Skizzen, diskutierten Druckverhältnisse, überlegten Wasserflüsse.

Eine der ersten Lektionen vor Ort: Die vielen Stunden strategischer Planung via Teams waren wertvoll – aber die Realität hatte eigene Regeln.

Ausgangspunkt war die bestehende Wassersituation der Schule: ein kleiner Wasserhahn, verbunden mit größeren Tanks, gespeist aus einer Mischung aus gesammeltem Regenwasser mit längerer Standzeit und dem unzuverlässigen staatlichen Wassernetz. Die Versorgung schwankte sowohl hinsichtlich des Drucks als auch der Wasserqualität.

Darauf aufbauend entwickelten wir ein angepasstes System: Eine Leitung sollte direkt an den bestehenden Hahn angeschlossen werden. Das Wasser sollte mithilfe einer Pumpe in einen größeren Zwischentank befördert werden, der deutlich höher und auf einem stabilen Fundament positioniert werden müsste, um ausreichend Druck auf den PAUL aufzubauen und eine konstante Reserve sicherzustellen. Von dort sollte das Wasser schwerkraftbetrieben durch den Filter fließen und anschließend in einen kleineren Tank mit kontinuierlichem Durchfluss geleitet werden, damit es, insbesondere bei starker Sonneneinstrahlung, nicht über längere Zeit stehen bleibt.

Am nächsten Morgen besuchten wir Vincent und Kole bei ihrem Schach-Tutoring für Kinder.Sechs neugierige Augenpaare musterten uns, skeptisch und gleichzeitig interessiert.

Um ehrlich zu sein: Wir mussten uns anstrengen, nicht innerhalb weniger Züge schachmattgesetzt zu werden. Am Abend diskutierten wir bei Freunden von Vincent über die wirtschaftlichen Perspektiven Ugandas, spielten Basketball mit den Kindern des Hauses und kehrten schließlich schweißgebadet ins Hotel zurück, um Flavian zu begrüßen. Am folgendenTag würde aus Planung Umsetzung werden.

Am nächsten Morgen sammelten wir auf dem Weg nach Buwama noch Viola ein – sie hatte uns den Kontakt zur Schule vermittelt und arbeitet an der St. Theresa School, die wir gegen Ende unseres Aufenthalts ebenfalls besuchen wollten.

Wieder einmal ging uns das Gespräch mit unserem Uber-Fahrer nahe. Viele von ihnen hatten studiert oder eine fachliche Ausbildung abgeschlossen, doch die Arbeitsmarktstruktur ließ ihnen kaum Möglichkeiten, in ihren eigentlichen Berufsfeldern Fuß zu fassen. Unser Fahrer an diesem Tag hatte ein medizinisches Studium absolviert, verdiente im Krankenhaus jedoch deutlich weniger als mit Uber-Fahrten.

Ein kleiner Nebensatz im Alltag – aber ein großes strukturelles Thema.

Nach einer Polizeikontrolle, die auf unserer gesamten Reise lange nicht die einzige bleiben sollte, kamen wir schließlich in Buwama an. Brother Herman begrüßte uns, und wir setzten uns zunächst in sein Büro, um den PAUL nochmals im Detail zu erklären und gemeinsam zu besprechen, wie Wartung und langfristige Verantwortung organisiert werden könnten.

Nach einer kurzen Führung über das Schulgelände – gelegen in der hügeligen Landschaft Ugandas, zwischen offenen Grünflächen, frei laufenden Hühnern und vereinzelten Kühen -wartete eine Überraschung auf uns: Alle notwendigen Materialien für das Fundament waren bereits organisiert, und zwei Personen waren schon mitten im Bau. Es war tatsächlich möglich, noch am selben Tag die Basis der Konstruktion zu errichten – mehr oder minder genau so, wie wir es gemeinsam geplant hatten. Wir mussten nur hoffen, dass das Wetter mitspielte.

Diesmal fuhren wir nicht zurück nach Kampala, sondern entschieden uns bewusst für eine Übernachtung im einfachen Buwama. „Blessing“ begleitete uns zu unserer Unterkunft und erzählte von seinen Zukunftsträumen. Später jubelten wir gemeinsam mit den Locals über den Sieg von Manchester United gegen Arsenal, bevor es schließlich in die schwülwarme Nacht ging.

Am nächsten Morgen ging es direkt auf Shopping-Tour durch Buwama, um die noch fehlendenMaterialien in verschiedenen kleinen „Baumärkten“ zu besorgen. Mit Locals einkaufen zu gehen, hatte klare Vorteile – insbesondere preislich. Um ausreichend Bargeld zu besorgen, fuhren wir mit Brother Herman wortwörtlich über den Äquator in einen anderen Ort, um dort Geld abheben zu können.

Als schließlich alles zur Schule transportiert war, konnte es losgehen. Das Fundament war getrocknet, und Schritt für Schritt entstand das finale Konstrukt. Fairerweise muss man sagen: Wir hatten einen Mechaniker an Bord, der mit uns vieles intuitiv und nach Bauchgefühl umsetzen wollte – nicht immer deckungsgleich mit der Anleitung. So hatte ich das Gefühl, ihm immer wieder das Anleitungsvideo zeigen zu müssen, was zu einem durchaus effizienten Balanceakt zwischen Erfahrung und Systematik führte, den lokalen Gegebenheiten angepasst.

Derrick von der Makerere University unterstützte uns dabei tatkräftig, insbesondere bei Übersetzungen und organisatorischen Abstimmungen.

Nach einigen letzten Anpassungen war es so weit: Die ersten Tropfen flossen durch den PAUL in den Frischwassertank.

Und plötzlich stand er da.
Funktionierend.

Die Erleichterung war körperlich spürbar.

Gemeinsam zapften wir die ersten Becher frisch aus dem PAUL und stießen mit einem Schluck sauberen Wassers auf diesen Moment an.

Für das restliche Konstrukt – ein schützendes Dach sowie eine Absicherung gegen direkte Sonneneinstrahlung und spielende Kinder – waren wir noch auf einen Schweißer angewiesen, der erst einige Tage später verfügbar sein würde. Daher beschlossen wir, noch einmal zurückzukehren, sobald alles vollständig fertiggestellt sein würde.

Bevor wir aufbrachen, verteilte Flavian einen größeren Koffer mit kleinen Mitbringseln an die anwesenden Kinder. Die Freude war unmittelbar und ehrlich.

Die Erwachsenen freuten sich, weil sie wussten, dass nun sicheres Wasser zur Verfügung stand.
Die Kinder freuten sich einfach über unseren Besuch.

Was uns besonders berührte: Diese jungen Kinder spielten miteinander – ohne Smartphones, ohne permanente Ablenkung, ohne digitale Zwischenwelt. Sie beschäftigten sich miteinander und mit sich selbst. Eine Selbstverständlichkeit, die bei uns längst keine mehr ist.

Ihre Zufriedenheit wirkte nicht inszeniert.
Sie war echt.

Und genau das brachte uns zum Nachdenken – darüber, worum es eigentlich geht.

Da wir noch vor Einbruch der Dunkelheit fertig geworden waren, entschieden wir spontan, zurück nach Kampala zu fahren – nicht jedoch, ohne vorher mit Brother Herman und dem Team noch ein gemeinsames Erfrischgetränk auf diesen Meilenstein zu teilen.

Den letzten Tag von Flavian nutzten wir, um Kampala noch intensiver kennenzulernen. Mit Isaac – unserem Fahrer vom ersten Tag – und Vincent als Stadtführer machten wir uns auf den Weg, um mehr über die Entstehung des Christentums in Uganda, über die verschiedenen ethnischen Gruppen des Landes und über die Geschichte Ugandas zu erfahren.

Besonders beeindruckend war der Besuch des innerstädtischen Marktes.

Dort schien alles gleichzeitig zu passieren. Menschen, Motorräder, Kleidung, Lebensmittel, Händlerstimmen, Hitze, Gerüche – ein permanenter Strom aus Bewegung. Der Spaziergang fühlte sich beinahe wie ein Fiebertraum an, weil alle Sinne gleichzeitig gefordert wurden Und vermutlich waren wir nicht nur durch unsere Herkunft, sondern auch durch meine Körpergröße (203 cm) ein Hingucker für die Locals. Zwischen Verkaufsfloskeln hörte ich immer wieder die Frage, ob ich amerikanischer Basketballspieler sei – oder „German highlands“.

Einer der prägendsten Momente unseres gesamten Aufenthalts folgte am nächsten Tag: der Besuch im Slum, in dem Vincent mit seinen Geschwistern aufgewachsen ist, um das Projekt Kech Pii Ti kennenzulernen.

„Kech Pii Ti“ bedeutet sinngemäß: Hunger kennt kein Alter.
Es ist eine Initiative, die Frauen ermöglicht, durch handgefertigten Schmuck aus recyceltem Papier ein eigenes Einkommen zu erzielen.

Das Projekt verdient deutlich mehr Raum, als wir ihm hier geben können – daher wird es dazu eine eigene, ausführliche Folge geben. Vincent, seine Familie und die beteiligten Frauen zeigten uns, wie der Schmuck entsteht. Detailreich, sorgfältig, beeindruckend.

Auch die sanitäre Situation vor Ort wurde sichtbar: eine kleine, veraltete Einrichtung ohne fließendes Wasser, die sich eine gesamte Straße teilen muss – ungefiltert und schwer zu verarbeiten. Gleichzeitig spielten hinter Vincents Unterkunft Kinder und zeigten uns ihre Spiele. Natürlich durften wir mitmachen.

Kurz darauf verabschiedeten wir Flavian, der seine Rückreise nach Deutschland antreten musste – mit einer Vielzahl an Eindrücken, die sich vermutlich nicht so schnell ordnen lassen.

Ein weiterer wichtiger Termin war unser Besuch in der Deutschen Botschaft in Kampala. Die Gespräche über die politische Lage Ugandas wirkten komplex, teils verzwickt, teils strukturell lähmend. Auch Stunden später diskutierten wir weiter darüber.

Mein persönlicher Eindruck: Bildung bleibt einer der langfristig wirksamsten Hebel für positiven Wandel. Gleichzeitig ist klar, dass politische Sensibilitäten respektiert werden müssen – insbesondere mit Blick auf eine langfristige Zusammenarbeit vor Ort, weshalb eine detaillierte Ausführung an dieser Stelle bewusst unterbleibt.

Im weiteren Verlauf besuchten wir auch die St. Theresa School, die bereits über einen Wasserfilter verfügt. Wir wurden herzlich empfangen, mit einer Programmliste begrüßt und konnten uns intensiv mit Lehrkräften, Mitarbeitenden und einem jungen Pfarrer austauschen, der uns zum Abschluss seinen Segen mit auf den Weg gab.

Wie in vielen Schulen gibt es auch hier strukturelle Herausforderungen. Besonders auffällig war jedoch das große Engagement der Verantwortlichen vor Ort – gerade vor dem Hintergrund stark begrenzter staatlicher Unterstützung. Der vorhandene Wasserfilter war über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend gemäß Handbuch gereinigt worden. Dies wurde nachgeholt und zeigte uns erneut, wie entscheidend persönliche Begleitung, Schulung und kontinuierliche Betreuung für die langfristige Nachhaltigkeit eines solchen Projekts sind.

Unsere letzte größere Fahrt führte uns noch einmal zur St. Balikuddembe Primary School nach Buwama. Gemeinsam mit Vincent und Kole standen wir vor dem fertigen Projekt – diesmal mit Dach und vollständig integriertem System.

Besonders wertvoll war der Austausch zwischen Vincent und Brother Herman über die zukünftige Zusammenarbeit. Durch seine eigene Geschichte versteht er die lokalen Gegebenheiten aus einer Perspektive, die für nachhaltige Projekte unverzichtbar ist.

Unsere letzten Gespräche vor der Abreise waren reflektierend, aber vor allem zukunftsorientiert.

Wie schaffen wir es, die Themen Wasser, Hygiene und Bildung langfristig zu verankern?
Wie kann eine Zusammenarbeit aussehen, die nicht punktuell, sondern strukturell wirkt?

Genau an diesen Fragen arbeiten wir weiterhin, regelmäßig per Teams, über Kontinente hinweg. Ziel ist es, eine nachhaltige Awareness-Kultur in Bezug auf Wasser, Hygiene und Bildung an verschiedenen Schulen zu etablieren und so möglichst viele Kinder zu erreichen.

Kurz nach unserer Rückkehr nach Deutschland erhielten wir von Brother Herman Fotos und Videos von Kindern, die die neue Wasseranlage nutzen.

Es war ein Moment der Bestätigung, aber sicherlich kein Abschluss.

Ich freue mich darauf, wieder nach Buwama zurückzukehren. Dann hoffentlich während des laufenden Schulbetriebs.

Ein besonderer Dank gilt Vincent – für seine Unterstützung, seine Offenheit und sein langfristiges Engagement. Sein Traum, durch Tutoring und eigene Safe Spaces Lernorte für Kinder in Slums zu schaffen, verdient jede Unterstützung.

Das hier ist kein Abschied.
Wir stehen in regelmäßigem Austausch, planen bereits das nächste Impact Project in Uganda und arbeiten weiter Hand in Hand.

Denn ein Filter ist ein Anfang.
Was daraus wird, ist gemeinsame Verantwortung.

~ Anthony

Kategorien: Water

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